Warum ich barbless fische – Gedanken eines Fliegenfischers
6. Juli 2025| Harry
Wusstest du, dass ein einfacher Haken ohne Widerhaken Fisch und Umwelt deutlich schont?
Als leidenschaftlicher Fliegenfischer habe ich im Laufe der Jahre viele Erfahrungen am Wasser gesammelt – stille Stunden am Bach, spannende Drills mit kampfstarken Fischen und unzählige Beobachtungen, wie sich unsere Eingriffe auf das empfindliche Ökosystem auswirken. Eine Überzeugung hat sich bei mir dabei besonders gefestigt: Ich fische nur noch mit wiederhakenlosen Haken – und ich bin überzeugt, dass das jeder tun sollte.
Was spricht für wiederhakenlose Haken?
Viele Angler denken beim Begriff „wiederhakenlos“ zuerst an verlorene Fische. Ich dachte das anfangs auch. Doch mit der Zeit habe ich gelernt, dass ein sicher gesetzter Haken auch ohne Widerhaken zuverlässig hält – wenn man Druck auf der Rute hält und konzentriert fischt. Der wahre Unterschied zeigt sich aber nach dem Fang: Das Zurücksetzen des Fisches ist deutlich schonender und stressfreier.
Ein Widerhaken verursacht beim Ein- und Ausdringen mehr Gewebeverletzungen, oft mit inneren Blutungen oder bleibenden Schäden im Maulbereich. Gerade beim Fliegenfischen, wo das Zurücksetzen der Fische (Catch & Release) oft praktiziert wird, ist das ein Widerspruch in sich. Wiederhakenlose Haken helfen dabei, den Fisch tatsächlich lebend und möglichst unversehrt zurückzusetzen. Oder möchtest du nicht lieber etwas später eine kapitale Forelle in deinem Heimatbach oder Lieblingsgewässer fangen?
Respekt vor dem Fisch?
Mir geht es beim Fliegenfischen nicht nur um den Fang. Es geht um das Erleben der Natur, das Beobachten, das Lernen. Der Fisch ist für mich nicht einfach ein „Fangziel“, sondern ein Teil eines komplexen Ökosystems, das es zu schützen gilt. Ein sauber gehakter Fisch, der ohne unnötige Verletzungen entlassen werden kann, entspricht diesem Gedanken des respektvollen Umgangs viel mehr als ein Tier, das durch einen tief sitzenden Haken unnötig leidet.
Keine Nachteile beim Fischen
Wer einmal den Umgang mit wiederhakenlosen Haken gelernt hat, wird kaum noch einen Nachteil spüren. Im Gegenteil: Das schnelle und einfache Lösen des Hakens – oft sogar ohne den Fisch aus dem Wasser zu nehmen – sorgt für einen effizienteren, stressfreieren Umgang. Und ja: Man verliert nicht automatisch mehr Fische. Mit etwas Übung und Gefühl bleiben auch diese Haken sicher im Fischmaul sitzen.
Ein kleiner Schritt mit grosser Wirkung
Für mich ist das Fischen mit wiederhakenlosen Haken nicht nur eine Entscheidung für mehr Fairness gegenüber dem Fisch, sondern auch ein Statement für nachhaltiges Angeln. Jeder, der mitdenkt und mitfühlt, sollte diesen Schritt gehen.
Ich kann nur dazu ermutigen, es selbst auszuprobieren. Es verändert den Blick auf das Fischen – und lässt uns mit besserem Gewissen weiter das tun, was wir lieben: Zeit in der Natur verbringen, den Fluss lesen, das Spiel zwischen Insekt und Fisch erleben – und am Ende beides mit Respekt behandeln.