Europameisterschaft im Fliegenfischen 2025 – Sondrio

13. November 2025 | Josef & Team

Ein weiteres und heute noch fast aktuelles Thema ist die Europameisterschaft im Fliegenfischen, die auf unseren Lieblingsgewässern in Italien im Val di Valtellina stattfand. Gemeinsam mit meinem Kollegen hatten wir die Möglichkeit, an diesem prestigeträchtigen Wettkampf als Sektor‑Schiedsrichter teilzunehmen. Organisiert wurde das Event vom italienischen Verband FIPSAS unter dem Dach des internationalen Verbandes FIPS‑Mouche.  Insgesamt traten 16 Nationen aus ganz Europa an.

In diesem Beitrag schauen wir uns nicht nur an, was die Aufgabe eines Sektor‑Schiedsrichters ist, und nach welchen Regeln sich die Athleten richten müssen, sondern auch darauf, wie intensiv, fair und fischreich diese Woche in den Alpen wirklich war.

Überblick – Zahlen, Orte, Stimmung

Die Meisterschaft lief vom 19. bis 25. Oktober 2025 rund um Sondrio in der Valtellina. Insgesamt starteten 16 Nationalmannschaften mit zusammen 83 Wetkampfischern.. Gefischt wurde parallel in fünf Sektoren: am Lago Palù (Valmalenco) sowie an den Flüssen Adda (Sondalo und Paniga/Morbegno), Mallero (Chiesa) und Mera (Chiavenna). Am Ende der Woche wurden bemerkenswerte 4.946 Fische gefangen und allesamt wieder frei‑gelassen – ein starkes Zeichen für Gewässerpflege und Fairness.

Ergebnisse – Teams und Einzel

Nach fünf Sessions holte sich Frankreich souverän den Team‑Titel, Spanien wurde Zweiter und Italien freute sich über Bronze vor heimischer Kulisse. Im Einzel gewannen Daniel Muñiz Llana (Gold) und Emilio José González Berjaga (Silber) – beide Spanien – vor František Kouba (Bronze, Tschechien). Aus Schiedsrichter‑Sicht war eindrucksvoll, wie konstant die Top‑Nationen über alle Gewässertypen performten – vom hochgelegenen See bis zum schnellen Alpenfluss.

Zwischen Fichten, Fels und klarem Wasser – unser Blick vom Ufer

Wer die Valtellina kennt, weiss: Hier zählt Präzision. Die Strömungen lesen, Winkel halten, kurz führen das ist pures Nymphing. Am Lago Palù erlebten wir dichte Drill‑Phasen, auf der Adda und dem Mallero wiederum feine Kontaktdrifts in Taschen und Rinnen. Für uns als Sektor‑Schiedsrichter heisst das viel Strecke machen, aufmerksam bleiben, ruhig kommunizieren – und jede Messung korrekt dokumentieren.

Regeln in Kürze – so läuft eine EM nach FIPS‑Mouche

  • Haken & Fliegen: ausschliesslich barbless (ohne Widerhaken). Maximal 3 Fliegen gleichzeitig, jeweils mindestens 50 cm Abstand. Pro Fliege eine sichtbare Tungsten‑Perle, Durchmesser max. 4 mm. (Gültig für Nymphe wie für andere Muster; geprüft wird bei Bedarf mit Messlehre.)
  • Vorfach/Leader: Länge höchstens das Doppelte der Rutenlänge, erlaubt sind bis zu 3 Mikroringe; Dropper nur mit echter Fliege, keine Attraktoren ohne Haken. Fluorocarbon/Monofil – keine geflochtenen/Metalldrähte.
  • Fliegenschnur: Mindestdurchmesser 0,55 mm über die gesamte Länge; Mindestlänge 22 m. Zusatzgewichte am Vorfach sind untersagt; ebenso schwimmende „Bobber“ oder andere Hilfsmittel, die die Präsentation verfälschen.
  • Netz & Handling: Kescherlänge (Griff+Kopf) maximal 122 cm, gummierte/knotenlose Netze. Der Fisch wird in der nassen Messrinne (in Millimetern) vermessen; Mindestmass 20 cm. Der Athlet führt den Fisch selbst in den Kescher; der Schiedsrichter hilft nur bei Bedarf – Schonung vor Tempo.
  • Ablauf der Session: 30 Minuten Vorbereitung + 3 Stunden Wertungszeit. Der Sektor‑Schiedsrichter hält Sichtkontakt, bestätigt jeden Fang, misst, trägt ein und lässt den Fisch zügig frei. Neutralität ist Pflicht – keine Tipps, keine Ausrüstung anfassen.

Wir sind der Meinung, dass diese Regeln ebenso für normale Angler gelten sollten zum Schutz der Natur. Was wir auf unseren Ausflügen bei anderen Anglern an Ausrüstung, Montagen usw. sehen, ist oft inakzeptabel. Schade!

Official Controler WM 2025 – Karte

Was macht ein Sektor‑Schiedsrichter konkret?

Wir sind die Schnittstelle zwischen Regelwerk und Realität am Wasser. Vor dem Start prüfen wir die Score‑Card, Zeiten und die Absprachen mit dem Sektor‑Judge. Während der Session bleiben wir in Reichweite, beobachten Drill und Landung, messen korrekt (Maulspitze bis geschlossene Schwanzflosse), notieren Länge/Art und lassen unterschreiben. Unregelmässigkeiten melden wir sofort – Sicherheit, Fairness und Fischschutz gehen immer vor.

Techniktrends am Wasser – was wir beobachtet haben

Neben klassischem Nymphing sahen wir taktisch kluges Trockenfliegenfischen in ruhigeren Zonen und sehr gezieltes Streamerfischen an tieferen Kanten. Leichte, sensible Ruten, feine Tippets und sauber abgestimmte Tungsteneperlen waren Standard. Viele Muster waren auf hochwertigen Fliegenhaken oder Jighaken gebunden  genau das brachte in klaren Abschnitten die entscheidenden Fische. Marken‑Setups à la Hanak Competition waren häufig zu sehen; am Lago Palù entschied oft die Kontrolle der Drift nahe am Grund..

Fazit – Sportgeist, Präzision und ein starkes Revier

Fünf Sektoren, 83 Wettkampfanglern, 16 Nationen und am Ende eine klare Botschaft: Wer Gewässer lesen kann, fängt konstant. Frankreich setzte die Benchmark, Spanien und Italien blieben dran. Für uns war es eine intensive, lehrreiche Woche zwischen alpiner Kulisse und klaren Regeln  und eine Erinnerung daran, dass Respekt vor Fisch und Natur die Grundlage dieses Sports ist.

 

 

 

 

FAQ

Wie viele Nationen und Wettkampffischer waren am Start?

16 Nationen, 83 Teilnehmern.

Welche Sektoren?

Lago Palù (See) und die Flüsse Adda (Sondalo & Paniga), Mallero (Chiesa) und Mera (Chiavenna).

Wer gewann?

Team: Frankreich vor Spanien und Italien. Einzel: Daniel Muñiz Llana (Gold), Emilio José González Berjaga (Silber), František Kouba CZ (Bronze).

Wie viele Fische insgesamt?

4.946 – gefangen und wieder freigelassen.